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GESCHICHTE

Rückblick & Ausblick

Der CREATIVE CLUSTER wurde zunächst 2017 in einer ehemaligen Traktorenfabrik im 21. Wiener Gemeindebezirk von dem österreichischen Künstler und studierten Architekten Karim El Seroui gegründet. Die Projektleiterin und vorsitzende Stellvertreterin Mag. Zita Maria Kral ist studierte Kultur- und Sozialanthropologin, verfügt über mehrjährige Berufserfahrung als Projektmanagerin in der Werbebranche, sowie über Weiterbildungen in den Bereichen Projektmanagement und Unternehmensführung, und ist seit 2016, neben ihrer Tätigkeit für den CREATIVE CLUSTER, selbstständig als Sprecherin und Darstellerin.

Gemeinsam haben die beiden zuvor bereits zahlreiche sozial engagierte Kunstprojekte und Kulturveranstaltungen realisiert. So im Jahr 2015 zum Beispiel das Kunst- und Inklusionsfestival Barrierefreiheit im Kopf: Acht Tage lang sorgte die Kunstausstellung mit begleitenden Diskussionsrunden, Vorträgen, Workshops und kulturellem Rahmenprogramm für ein inklusives Miteinander. An der Veranstaltung mit über 70 Kooperationspartner*innen nahmen über 4.900 Besucher*innen aus dem In- u. Ausland teil.

Ein weiteres Projekt war TETE A TETE / Stadtlabor Floridsdorf (als eines der Stadtlabore der Stadt Wien), welches transdisziplinäre künstlerische Praxis und Forschung in dem marginalisierten Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf ermöglichte und eine Begegnungszone zwischen lokalen Bewohner*innen und Künstler*innen schuf.

Als politisch unabhängiger, gemeinnütziger Verein versteht sich der CREATIVE CLUSTER gleichzeitig als kuratierte, spartenübergreifende Kreativbrutstätte und Kunstinkubator, sowie als Wirtschaftsstandort und Kommunikationsplattform für Kreativschaffende. Die Kreativen Räume Wien – Büro für Leerstandsaktivierung unterstützen das Projekt von Beginn an und halfen auch dabei ein neues Gebäude zu finden, nachdem der alte Standort aufgrund von Profitinteressen des privaten Eigentümers aufgegeben werden musste.

In Wien Margareten bezog der CREATIVE CLUSTER im August 2019 schließlich eine ehemalige Schule. Die Stadt Wien hat hier erstmals ein Pilotprojekt (Kunst- u. Kultur- sowie Bildungsauftrag) zur Zwischennutzung ausgeschrieben. Derzeit arbeiten auf insgesamt rund 3.600 mca. 140 Kreativ- u. Kunstschaffende, darunter 11 Absolvent*innen der Akademie der Bildenden Künste Wien im Rahmen eines einjährigen Stipendiat*innenprogramms sowie zwei Künstler*innen der Bank Austria Studios.

Das sanierungsbedürftige öffentliche Schulgebäude wurde von dem Verein durch diverse Renovierungsarbeiten und Umbauten wieder nutzbar gemacht und entsprechend den Anforderungen künstlerischer Arbeitsprozesse als gemeinschaftlich genutztes Kreativareal mit modernen Standards optimiert. Die Investitionen belaufen sich momentan auf circa 70.000 Euro und beinhalten unter anderem den Einbau einer modernen Gemeinschaftsküche, Fluchtweg- und Brandschutzmaßnahmen, Fassadensicherung, Maler- und Elektrikarbeiten, Hof-Begrünung, Installation von Internet- und Sicherheitstechnik sowie die Anschaffung zahlreicher Möbel und sonstigem Inventar und vielem mehr. Die schrittweise Adaptierung des Gebäudes gliedert sich in zwei Hauptabschnitte, da im Jahr 2020 der zweite Gebäudetrakt des flügelartig strukturierten Schulbaus hinzukam, was eine Verdoppelung der kreativwirtschaftlich genutzten Flächen bedeutete.

Auch weiterhin fallen laufend diverse Kosten für Reparaturen, Instandhaltung, (Gebäude-)versicherungen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kuratierung, Veranstaltungsorganisation und die allgemeine Weiterentwicklung sowie für die Verbesserung und den Ausbau des umfangreichen Serviceangebots für die lokale Kunstszene und Kreativindustrie an. Neben öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie dem OPEN DOORS bei der Vienna Art Week, verursacht zusätzlich auch das regelmäßig stattfindende Programmangebot wie z.B. das kostenlose Fitnessprogramm für das Grätzl im Rahmen der Wiener Gesundheitsförderung oder partizipative Aktivitäten in der zugehörigen Grätzloase einen erheblichen finanziellen Aufwand, der die monetären Ressourcen des größtenteils selbstfinanzierten Projekts überschreitet.

Auch in Bezug auf den organisatorisch-zeitlichen Aufwand fordert das nicht profitorientierte, selbstorganisierte Projekt viel zusätzliches ehrenamtliches Engagement und Leidenschaft, um zum Beispiel die rund 700 m2 Gemeinschaftsfläche sowohl wirtschaftlich als auch organisatorisch mitzutragen. Ohne eine gemeinschaftliche Arbeitsweise wäre das Projekt nicht denkbar.

2021 wurde von der Stadt Wien der Standort in Margareten für die Nutzung als Kreativbrutstätte glücklicherweise um weitere zwei Jahre verlängert, was durchaus erfreulich ist, da sich so die jahrelange Aufbauarbeit des Vereins nachhaltig bezahlt macht und sich der hohe Aufwand des Projekts nur lohnt, wenn es auch eine gewisse Planungssicherheit und längerfristige Perspektive gibt. Aktuell wurde dem Projekt eine verlängerte Zwischennutzung bis Januar 2025 zugesprochen mit der Aussicht auf weitere Verlängerungen.

Weil Leerstandsaktivierung und kulturelle Zwischennutzungen immer auch viele Risiken sowie wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Herausforderungen mit sich bringen, ist auf dem Gebiet nach wie vor viel Eigeninitiative und Pionierarbeit gefragt. Entsprechende rechtliche Tools und spezielle Förderprogramme seitens der öffentlichen Hand könnten die Stadtentwicklungspioniere entlasten und in Zukunft dazu beitragen diesen aufstrebenden Bereich noch stärker zu unterstützen und nachhaltiger zu gestalten.

Die hohe Nachfrage zeigt, dass es leistbare und unabhängige kulturelle Räume und Stadtentwicklungsprojekte mit zukunftsweisender gemeinschaftlicher und transdisziplinärer Ausrichtung wie den Kunstinkubator CREATIVE CLUSTER braucht und dass der gesellschaftliche Mehrwehrt, den solche Projekte mit sich bringen, für eine moderne Stadt wie Wien unverzichtbar ist. Um die hohe Qualität des mannigfaltigen Angebots für Kreativschaffende und Kulturinteressierte weiterhin aufrecht erhalten zu können und ständig weiterzuentwickeln, wäre deshalb in Zukunft auch eine dauerhafte finanzielle Unterstützung bzw. ein dauerhafter Standort wünschenswert, um das bezüglich Größe, Vielseitigkeit und Konzeptionierung landesweit einzigartige Pilotprojekt dauerhaft zu erhalten und gebührend wertzuschätzen.